Die Stadt - Wirtschaft und Infrastruktur
Geschichte der Braunkohleindustrie
Die Stadt Bergheim blickt auf eine langjährige Tradition im Braunkohlenbergbau zurück.
Vor allem in den heutigen Stadtteilen Niederaußem und Oberaußem spielte der Bergbau eine wichtige Rolle. Das Kraftwerk Niederaußem sowie der Kohleveredlungsbetrieb Fortuna-Nord zeugen davon.
Anfänge und erste Braunkohlenfunde
Die Braunkohle entstand innerhalb des Tertiärs in einem Zeitraum von vor 25 bis vor etwa 5 Millionen Jahren. In dieser Zeit der Erdgeschichte befand sich am Nordrand des Rheinischen Schiefergebirges ein Sedimentationsraum, der sich in den letzten 30 Millionen Jahren fast kontinuierlich absenkte. Daher ist die Geologie der Niederrheinischen Bucht heute gekennzeichnet durch Ablagerungen der Nordsee als auch Sand und Kies aus Flüssen, welche diese Senke durchflossen. In weiten Zeitabschnitten konnte sich eine subtropische Wald- und Moorvegetation ausbreiten, auch begünstigt durch umfangreiche Grundwasservorkommen. Organisches Material, das im Wasser unter Luftabschluss geriet, vermoderte nicht mehr. Es wurde durch das Wasser luftdicht abgeschlossen, so dass sich Torf bilden konnte. Dank anhaltender Absenkung des Rheinlandes entstanden mächtige Torfschichten. Im Raum Bergheim erreichte der Torf Mächtigkeiten bis zu 270 Metern (die sog. Hauptflöz-Gruppe). Im Laufe der Jahrmillionen wurde das Klima kälter. Viel Wasser wurde in den Kaltzeiten in Gletschern gebunden, so dass der Meeresspiegel weltweit sank. Die Nordsee zog sich aus dem Rheinland gen Norden in die Niederlande zurück. Über den Torfschichten lagerten Flüsse wie der Rhein, die Rur und die Maas vor allem Sande und Kiese ab. Dadurch verdichtete sich der Torf und gab Wasser ab. Unter dem Druck der Ablagerungen entstand durch sog. Inkohlungsprozesse unsere heutige Braunkohle. Durch vier Eiszeiten erhielt das Rheinland sein heutiges Aussehen. Die typischen Pflanzen aus der Braunkohlezeit wurden - soweit sie unser heutiges gemäßigtes Klima tolerieren - in einem Lehrpfad im Park des Schlosses Paffendorf, dem Informationszentrum Braunkohle des Unternehmens RWE Power, angepflanzt.
Die "fertige Braunkohle" und ihre Brennbarkeit erkannten wohl die Römer zuerst. Bei dem Bau einer Wasserleitung bei Frechen müssen sie in geringer Tiefe auf die Kohle gestoßen sein. Dabei kam es wohl auch zum ersten dokumentierten Flözbrand in der Geschichte des Rheinischen Reviers. Gefördert wurde die Kohle von den Römern nicht.
Auch im Mittelalter wurde Braunkohle gefunden. Man benutzte sie aber nur als Kölnische Umbra, als Farbe.
Erst zum Ende des 17. Jahrhunderts bemerkten Arbeiter aus der Keramik-Industrie zwischen Bonn und Frechen, dass die "schwarze Erde", die sie in den Tongruben über den Tonschichten fanden, brennen konnte. Die ersten kleinen Gruben entstanden im Südrevier bei Brühl und Hürth.
Braunkohle in Bergheim
Im Bereich der Ortschaft Niederaußem entstanden erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts die ersten Gruben. Der Niederaußemer Landwirt Meul stieß bei Arbeiten auf einem Feld bei Oberaußem auf Kohle und eröffnete die erste Grube. Kurze Zeit später waren auch die ersten Bergschäden zu beklagen, das alte Schloss Schlenderhan bei Quadrath-Ichendorf stürzte zusammen.
1870 muss Meul die Grube verkaufen, neuer Besitzer wurde Simon von Oppenheim, dem auch die Nachbargrube Schlenderhan bei Quadrath gehörte.
Ein Jahr nach dem Grubenkauf hielt eine große Neuerung Einzug in die Grube. Der Abraum und die Kohle wurden auf Wagen geladen und diese über eine Seilwinde aus dem Tagebau gezogen. 1882 ging die erste Brikettfabrik mit sieben Pressen in Betrieb. Oppenheims Sohn Eduard übernahm nach dem Tod des Vaters die Geschäftsführung und legte die Gruben Schlenderhan, Urwelt und Fortuna zusammen. Kurz vor Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Gewerkschaft Fortuna gegründet, ein Zusammenschluss mehrerer Grubenbesitzer. Zur gleichen Zeit ging bei Oberaußem die Brikettfabrik Fortuna I in Betrieb. Nur ein Jahr später, im Jahr 1900, begannen schon die Arbeiten für eine zweite Fabrik, die schon ein Jahr später arbeitete. Jährlich konnten hier 210.000 Tonnen Briketts hergestellt werden.
Auf dem Weg zur Großindustrie
Die Brikettfabrikation rückt in den kommenden Jahren in den Hintergrund. Braunkohle wurde jetzt zur Elektrizitätserzeugung genutzt.
Die Stadt Köln wuchs um die Jahrhundertwende stetig und brauchte Strom. Daher wurde zwischen 1910 und 1912 der erste Teil des Kraftwerkes Fortuna errichtet.
Nach Ende der Bauarbeiten lieferte Fortuna I 32 Megawatt Strom. Gute zehn Jahre später nahm auch Kraftwerk Fortuna II den Betrieb auf. Im Jahre 1941 erhielt die Großindustrie auch Einzug in Niederaußem und Auenheim. Die Brikettfabrik Fortuna-Nord, heute Kohleveredlungsbetrieb Fortuna-Nord, auf der Ortsgrenze zwischen Niederaußem und Auenheim begann mit der Produktion.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
Im Zweiten Weltkrieg waren die Industrieanlagen mehrfach Ziel alliierter Luftangriffe. Trotz Schäden konnte ab Dezember 1945 auf Fortuna wieder Strom produziert werden.
In den nachfolgenden Jahren ging es wieder aufwärts. 1955 entstand der erste Großtagebau im Rheinischen Braunkohlerevier, der Tagebau Fortuna-Garsdorf. Über Jahre hinweg war Garsdorf der größte Tagebau der Welt. Hier setzte die RAG und später die Rheinbraun modernste Fördergeräte ein.
Dies bedeutete aber auch die Umsiedlung der Orte Garsdorf, Frauweiler und Wiedenfeld. Die Wiedenfelder fanden in Bergheim-Mitte ihre neue Heimat. Frauweiler und Garsdorf wurde in (Bedburg-) Rath neu aufgebaut.
Am Standort Fortuna kam in den fünfziger Jahren noch ein weiterer Kraftwerkteil hinzu. Die Brikettfabriken wurden stillgelegt und abgerissen.
Durch den steigenden Strombedarf begannen 1961 die Arbeiten für das Kraftwerk Fortuna IV, allerdings nicht am Standort Fortuna, was man aus dem Namen schließen könnte, sondern in Niederaußem. In den siebziger Jahren wurde der Aufschluss des Tagebaus Bergheim angekündigt, damit verbunden war die Stilllegung der drei Fortuna-Kraftwerke und die Umsiedlung des Ortes Fortuna.
In den achtziger Jahren kam das Ende der Braunkohleindustrie in Bergheim. Die Ortschaft Fortuna verschwand im Tagebau und am 22. Dezember 1988 ging das Kraftwerk Fortuna endgültig vom Netz. 1989 begannen die Abbrucharbeiten.
In den letzten Jahren
1993 wurde die letzte Kohle im Tagebau Fortuna-Garsdorf gefördert. Am 4. Juli 2002 war auch der Tagebau Bergheim ausgekohlt. Aus den ehemaligen Tagebauflächen entstanden und entstehen Naherholungsgebiete für die Anwohner der umliegenden Orte.
1997 begannen am Kraftwerk Niederaußem die Arbeiten für den neuen BoA-Block mit einer Leistung von 950 Megawatt. Im Sommer 2002 nahm der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder bei einer Feierstunde das Braunkohlekraftwerk mit optimierter Anlagentechnik in Betrieb.
Die Kohle wird durch eigene Bahnlinien, der Hambachbahn, aus dem Tagebau Hambach und der Nord-Süd-Bahn (Garzweiler) aus dem Tagebau Garzweiler herangeschafft.
Derzeit plant RWE und die Rheinbraun- Nachfolgegesellschaft RWE Power weitere Kraftwerksblöcke in Niederaußem und Neurath. Allerdings kritisieren die Bewohner der anliegenden Dörfer die starke Verschattung und die Emissionen durch die Erweiterung. Mit Hilfe der Bürgerinitiative BigBEN will man statt Konzentration der BoA-Blöcke Verteilung auf mehr Standorte erreichen.
Information : Am Informationszentrum Schloss Paffendorf beginnt auch die Themenstraße Straße der Energie, die die wichtigsten und modernsten Bereiche der Braunkohlenindustrie und der Rekultivierung des Reviers zusammen mit Windenergie und Photovoltaik in Stationen vorführt.
Bergheim im Web
Bergheim – Wikipedia
6 Wirtschaft und Infrastruktur. 6.1 Geschichte der Braunkohleindustrie. 6.1.1 Anfänge und erste ... In Bergheim und seinen Stadtteilen hat sich eine rege Brauchtumspflege, vor allem ...
Landkreis Neuburg-Schrobenhausen – Wikipedia
... sowie zum Landkreis Jesenik in Tschechien und zu Sète in Frankreich. [Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur ... mit den Mitgliedsgemeinden Bergheim und Rohrenfels ...
Lexikon Markdorf
5 Wirtschaft und Infrastruktur. 5.1 Verkehr; 5.2 Medien; 5.3 Bildung; 6 Persönlichkeiten ... Hochkreuzkapelle zwischen Riedheim und Bergheim (1688 gebaut, 1696 geweiht, 1894 ...
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Quelle: openPR.de - Handel, Wirtschaft, Finanzen, Banken & Versicherungen | Eintrag entfernen
Köln
Wirtschaft und Infrastruktur. Siehe hierzu auch den Hauptartikel: Wirtschaft in Köln. Die Wirtschaft in Köln ist geprägt durch die Lebensmittelindustrie, den Automobilbau, die Chemische Industrie und die Medien. ...
Quelle: Wir Rheinländer | Eintrag entfernen
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Info
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- Regierungsbezirk: Köln
- Stadtgliederung: 15 Stadtteile
- Höhe: 72 m ü. NN
- Fläche: 96,33 km²
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- Längengrad: 6° 39′ O
- Postleitzahlen: 50126, 50127, 50129
- Kfz-Kennzeichen: BM
- Vorwahl: 02271, 02272, 02238
- Einwohner: ca. 62 722
- Bevölkerungsdichte: 651 Einwohner je km²
- Gemeindeschlüssel: 05 3 62 008
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50126 Bergheim - Website: www.bergheim.de